Institut für Rechtspsychologie (IRP)

Rechtspsychologie an der Universität Bremen: Lehre, Forschung und Praxis

Eine angesichts der vielfältigen gesellschaftspolitischen Probleme unserer Zeit dringend erforderliche langfristige Qualitätssicherung rechtspsychologischer Praxis und Forschung setzt zwingend voraus, dass die Rechtspsychologie nicht nur in der universitären Forschung verankert ist, sondern dass in der universitären Lehre rechtspsychologische Kompetenz im Rahmen der akademischen Ausbildung vermittelt wird.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie hatte diese Notwendigkeit erkannt und an der Universität Bremen ein Modellprojekt "Rechtspsychologie als viertes Anwendungsfach" ins Leben gerufen, das jedoch durch die personellen Kürzungen und die Umstrukturierung von Diplom-Studiengängen in Bachelor- und Master-Studiengänge ausgelaufen ist. Seither ist das Fach „Rechtspsychologie“ an der Universität Bremen nur noch als einsemestriges Wahlpflichtmodul im B.Sc. Psychologie vertreten.

In der Forschung haben wir durch unsere regionalen Kooperationspartner und die gute Beziehung zur polizeilichen Arbeit spezifische Forschungsschwerpunkte entwickelt, die der Ausweitung rechtspsychologischer Arbeitsfelder zugute kommen:

• Psychologie der Vernehmung (z.B. tiergestützte Vernehmung, Audio-Visuelle Vernehmung von Kindern oder Senioren als einzige Tatzeugen bzw. als Opferzeugen)
• Polizeiliches Verhandeln mit Geiselnehmern, Bedrohern und Suizidenten (z.B. psychisch Kranke, Personen mit Migrationshintergrund, „suicide by cop“)
• Prävention von Attentaten im öffentlichen Raum (Personenschutz, Selbstmordattentate, Amok)
• Interkulturalität und Polizei (Polizeiliches Handeln mit Personen unterschiedlicher Ethnien)
• Bedrohungs- und Gefährdungsanalysen (u.a. Cyber Crimes, Amok, Stalking)

In vielen dieser Forschungsbereiche konnten bereits Ergebnisse erarbeitet werden, die sich in der Praxis durch Ermittlungsunterstützungen, Fort- und Weiterbildungen, Gutachten und Beratungen niederschlagen (Auswahl):

• Operative Fallanalysen bei Tötungs-, Sexual- und Raubdelikten
• Neuropsychologische Diagnostik bei Simulationsverdacht im Sozialrecht und Gutachtenerstellung im Sozial- und Verwaltungsrecht
• Entwicklung diagnostischer Verfahren zur Feststellung "persönlicher Eignung" und "geistiger Reife" im Waffenrecht sowie fachpsychologische Begutachtungen nach dem Waffengesetz
• Fortbildungen und Schulungen für Spezialeinsatzkräfte und Verhandlungsgruppen der Polizei (bei Geiselnahmen und andere Bedrohungslagen)
• Fortbildungen und Schulungen für Staatsanwaltschaften und Gerichte zur Vernehmungslehre und Fragetechnik im Ermittlungsverfahren und in der Hauptverhandlung sowie zu Prozesstaktik und Verhandlungsgeschick in der Hauptverhandlung